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Lausitzer Leuchttürme

Wie eine freundliche Zwergenmütze schaut der Kirchturm von Marga über buschige Bäume. Der Turmknauf barg den Beweis: Die Siedlung Marga in Brieske bei Senftenberg ist die älteste deutsche Gartenstadt. Im Knauf faden Handwerker die Baugenehmigung von 1907. Marga ist etwas ganz Besonderes und ihre Sanierung eines der vier Untervorhaben des EXPO 2000-Projekts „Lausitzer Leuchttürme“.

Im Auftrag der Ilse Bergbau AG baute der Architekt Georg von Mayenburg eine Siedlung für Arbeiter, die in die Niederlausitz geholt wurden, um schwarzes Gold zu Geld zu machen. Er baute nicht er zauberte. Aus Klinkern und Säulen, Fachwerk und Farben schuf er eine kreisrunde Anlage, in der kein Haus dem anderen gleicht. Harmonie und spielerische Individualität des Jugendstils für Arbeiter.

Der Dornröschenschlaf von Marga, der im Verfall eines architektonischen Kleinods tödlich hätte enden können, ist vorbei. Die Siedlung strahlt wieder. Denn Marga wird von der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) denkmalgerecht saniert. Über 40 der 397 Wohnungen sind bereits wiederhergestellt. Im Sommer 2000 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Rund 80 Millionen DM investiert die TLG und wird dabei durch Landes- und Bundesmittel unterstützt. Arbeiten und Wohnen waren untrennbar verknüpft in der Region, die Jahrhunderte lang von der Kohleförderung geprägt war. Nach der Wende wurden Kohleabbau und Industrie abrupt zurückgefahren. Die Niederlausitz steht heute vor der Herausforderung eines besonders tiefgreifenden Strukturwandels und einer Landschaftsneugestaltung gigantischen Ausmaßes.

„Wir wollen Innovationen aus Tradition schaffen und unterschiedliche Ansätze für die Bewältigung des tiefgreifenden Umbruchprozesses präsentieren“, bringt Projektleiter Dr. Dietmar Holoda seine Ziele auf den Punkt. Er ist Chef des Zentrums für  Entwicklung, Innovation und Technologie(Z.E.I.T.GmbH), das mit dem Innovationszentrum Metallbau in Lauchhammer und mit dem Kompetenzzentrum Kunststoffe in Schwarzheide zwei EXPO-Untervorhaben betreibt. In Schwarzheide wiederum wird das Kompetenzzentrum Kunststoff den Technologietransfer zwischen Forschung und Industrie fördern und neue Firmenansiedlungen initiieren: Hier hat BASF die vor der Wende ansässige Polyethanproduktion saniert und mehr als 2.000 Arbeitsplätze gesichert. Mittelständisches Kunststoffbetriebe folgten.

Das Untervorhaben “Sanierungstechniken für Bergbaurestlöcher um Senftenberg“, präsentiert neue Technologien zur Sanierung von Tagebaulandschaften: Rütteldruckverdichtung gegen nachrutschende Erdmassen, Grundwassermanagment für gute Wasserqualität und Regulierung des Wasseranstiegs nach dem Kohleabbau. Ob Schaugießen in der Kunstgießerei Lauchhammer, ob die gigantische Förderbrücke F60 oder der Surface Miner der Firma MAN Takraf als Tagebau-Innovation in Aktion: Ein Streifzug auf der EXPO bietet Einblicke in eine außergewöhnliche Region. Zentraler Anlaufpunkt ist eine Ausstellung in der Niederlausitz-Halle in Senftenberg.